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DVB-H
DVB-H: Unterwegs-Fernsehen und viel mehr
In Berlin lag schon immer etwas in der Luft:
- 1923 wurde in der deutschen Hauptstadt das erste offizielle Radioprogramm gestartet.
- 1928 konnten die Berliner auf der Funkausstellung erstmals fernsehen. Das erste regelmäßige TV-Programm sendete 1935.
- 1967 schaltete Willy Brandt, damals deutscher Bundeskanzler, im Berliner ICC offiziell die Farbe ins Fernsehbild.
- 2003 wurde weltweit erstmalig die analoge terrestrische TV-Verbreitung vollständig durch digitale Technik (DVB-T) ersetzt.
Berlin bleibt auch in der Zukunft die Pionierstadt der Rundfunk-Übertragungstechnik
Nicht nur Fernsehen, nicht nur mit dem Handy
Jetzt geht Berlin den nächsten Innovationsschritt: Nach DVB-T kommt DVB-H (H steht für Handheld). Die digitale terrestrische Sende- und Empfangstechnik wird jetzt für die Nutzung mit kleinen mobilen und tragbaren Endgeräten erweitert.
DVB-H wird oft als das „Handy-Fernsehen“ bezeichnet. Die Technik bietet aber viel mehr: Im Zusammenspiel des Rundfunks mit Mobilfunk und Internet entstehen neue Programmformate, interaktive Anwendungen und neue Medien-Dienstleistungen, die speziell auf die mobile Nutzung zugeschnitten sind.
DVB-H ist ein Rundfunkdienst – das heißt auch: alle Zuschauer oder Hörer werden in gleicher Qualität versorgt. Bei Mobilfunk-Verfahren wie UMTS hingegen ist die Zahl der zeitgleichen Nutzer eines Dienstes innerhalb einer Versorgungszelle begrenzt. DVB-H ist auch aus wirtschaftlicher Sicht als Plattform für mobile Dienstleistungen mit hohen Fernseh- oder Videoanteil besonders geeignet.
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), der Berliner Senat, T-Systems International, die GARV und weitere Partner arbeiten eng zusammen, um Technik und Dienste für DVB-H zu erproben und langfristig in einen Regelbetrieb zu überführen. Das Projekt wird im Rahmen des Innovationsförderprogramms vom Land Berlin gefördert.
Grundlage des Berliner DVB-H-Pilotprojekts ist eine Vereinbarung zwischen der medienrechtlich zuständigen Medienanstalt Berlin-Brandenburg und dem Sendernetzbetreiber T-Systems/ Media&Broadcast. Starttermin war Juli 2004.
Als gemeinsame Ziele nennen die Projektpartner unter anderem:
- Berlin will mit der Erprobung verschiedener, im Vorfeld der Standardisierung diskutierter, Systemvarianten praktische Erfahrungen in die Experten-Diskussion um die Optimierung der technischen Grundlagen von DVB-H einbringen.
- Erkenntnisse über die Anforderungen an die Sende-Infrastruktur sollen gewonnen werden. Untersucht werden unter anderem die Versorgung mit einem Gleichwellennetz, das Empfangsverhalten innerhalb von Gebäuden, die Besonderheiten des mobilen Empfangs, die Multiplex-Plattform sowie die Aufwendungen für die Verbreitung.
- Auf den Prüfstand kommen Vorschläge für Inhalte und Dienste und die Analyse ihrer Markttauglichkeit. Unternehmen aus der Region und von anderswo sind eingeladen, ihre Vorstellungen für Dienste und Anwendungen zu präsentieren und im praktischen Betrieb zu erproben.
- Ebenso unterstützt das Berliner Projekt durch den Praxistest mehrere Endgeräte-Prototypen und deren weitere Entwicklung der Empfänger in Richtung auf die Serienproduktion.
- Die Untersuchung der Probleme, die bei der Verknüpfung von Rundfunk und Mobilfunk auftreten, betrifft gleichermaßen die Bereiche Sendetechnik, Empfangsgeräte und Dienste.
Erster leistungsstarker DVB-H-Sender in Betrieb
Im Herbst 2004 gab die mabb den UHF-Kanal 39 eigens für das DVB-H Projekt frei. In Vorbereitung der Inbetriebnahme des Kanals 39 hatte der Sendernetzbetreiber T-Systems in umfangreichen Tests die optimale Parameter-Kombination ermittelt und Hard- und Softwareprodukte verschiedener Hersteller erprobt. Auf dieser Grundlage konnte ein Playout-Center aufgebaut werden, über das der Sendebetrieb abgewickelt wird.
Am 25. Februar 2005 erfolgte auf dieser Frequenz die weltweit erste standardkonforme Ausstrahlung eines leistungsstarken DVB-H-Signals. Die im Gleichwellenbetrieb der Sender Alexanderplatz und Schäferberg eingesetzte Sendeleistung von 50 bzw. 20 Kilowatt ERP entspricht den derzeitigen technischen Möglichkeiten einer DVB-H Regelbetriebsausstrahlung.
Bundesweites Angebot und Ausblick
Als Sendernetzbetreiber für ein bundesweites DVB-H Angebot ist im Jahr 2006 von der Bundesnetzagentur die Media Broadcast GmbH (früher T-Systems Media Broadcast) ausgewählt worden. Eine erste Lizenzzuteilung der Landesmedienanstalten an Mobile 3.0 im Jahr 2007 war nicht erfolgreich. Die Lizenz wurde wieder zurückgegeben. Seitdem konnte kein weiterer Bewerber die offenen Fragen zu seiner Rolle beim Plattformbetrieb, den Ansprüchen der TV-Veranstalter auf der einen Seite und den Mobilfunknetzbetreibern auf der anderen Seite für sich positiv beantworten und in einem Konzept darlegen. Gleichzeitig ist durch die Einführung von leistungsstarken Smartphones, die jederzeit im UMTS Netz Videodienste abrufen können, das Verlangen nach dem linearen Fernsehgeschehen auf Mobilfunkgeräten gesunken.

