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Begrüßungsrede von Dr. Hans Hege zur Eröffnung der Medienwoche 2009
Die IFA 2009 zeigt die faszinierende Welt des digitalen Konsumenten, die neuesten Leistungen der digitalen Geräteindustrie. Dieser Kongress befasst sich mit dem, was die IFA nicht zeigen kann, den Rahmenbedingungen für digitale Inhalte, den technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen, mit ihrer Produktion und ihrer Verbreitung.
Die Digitalisierung führt zu tiefer greifenden Veränderungen als die Einführung des privaten Fernsehens, sie erfasst alle Medien und alle Kommunikationswege. Immer leistungsfähigere Computer, Breitband- Internet und mobile Kommunikation verändern das persönliche Leben, die Kommunikation, Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt. Die Wirtschaftskrise beschleunigt diese Veränderungen noch.
Die Finanzierungsmodelle privater Medien erodieren, von den Zeitungen bis hin zum privaten Fernsehen, Mediennutzung und Kommunikationsverhalten verändern sich, in allen Generationen.
Die Digitalisierung war und ist auch die Grundlage für immer komplexere Instrumente der Finanzwirtschaft, und damit für eine Fehlentwicklung, in der der kurzfristige Erfolg im Finanzbereich viel mehr gilt als die Kreativität bei der Entwicklung von Inhalten und Produkten.
Auf dem letzten Kongress vor einem Jahr war dies kein Thema, auch nicht in den Medien, obwohl der potentielle Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems wenige Tage bevorstand. Für mich ein Beitrag zur Erkenntnis, wie wenig wir wirklich über Wirtschaft und globale Zusammenhänge der Digitalisierung wissen.
Die Digitalisierung ist eine Revolution, aber eine ohne so bewegende Bilder, wie wir sie bei der friedlichen Revolution vor 20 Jahren in Deutschland gesehen haben. Das macht es gerade für das Leitmedium Fernsehen schwer, aber auch für das Internet, Zusammenhänge zu verstehen und zu vermitteln. Ein Tsunami sorgt für viele Bilder, der Verlust der Kontrolle über digitale Technologien erst dann, wenn er zum Absturz eines Flugzeugs führt.
So reizvoll die neuen Kommunikationsmöglichkeiten von Twitter und sozialen Netzwerken sind, so weitgehend sie auch die menschliche und politische Kommunikation verändern mögen: wo ist ihr Beitrag zum Verständnis dessen, was im letzten Jahr passiert ist und noch geschieht? Analytische und journalistische Kompetenz sind mehr gefragt denn je.
Digitalisierung verstehen setzt das Erfassen von Zusammenhängen voraus, fordert bisher Getrenntes zusammen zu denken. Das muss auch in der Politik möglich sein, ungeachtet unserer föderalen Aufgabenteilung. Auf die Herausforderung der Digitalisierung kann man nicht nur mit immer neuen Änderungsstaatsverträgen antworten, nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners. Das Medienrecht ist genau so an früher getrennten analogen Medien entwickelt worden wie das Urheberrecht, beim Umgang mit Daten geht es heute um ganz anderes als um die Volkszählung. Das ändert nichts an den grundlegenden und nach wie vor aktuellen Zielen, wie sie unsere Verfassung vorgibt, aber sie müssen nun mit neuen Mitteln verfolgt werden.
Unser Kongress soll Orientierung bieten, Anstöße geben. Frau Müller hat die breite Palette geschildert.
Die digitale Welt lässt sich nicht mehr mit den Instrumenten regulieren, die wir in der überschaubaren analogen eingesetzt haben. Auch als Landesmedienanstalten geht es uns mehr um Moderation, wie derzeit beim Vorschlag, als zweiten Übertragungsweg die Satellitenübertragung im Frühjahr 2012 vollständig auf Digitalisierung umzustellen. Als neutrale Mittler versuchen wir, die digitalen Entwicklungen durchschaubar zu machen.
Mit diesem Kongress setzen nach wie vor auf die persönliche Kommunikation, die die digitale nicht ersetzen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen neue Erkenntnisse und Anregungen.

