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Interview: Medienrätin Bärbel Romanowski-Sühl über die Wichtigkeit und Zukunft von Lokal-TV

25. September 2019
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Bärbel Romanowski-Sühl beim Lokal-TV-Kongress 2019

Frau Romanowski-Sühl, Sie setzen sich seit vielen Jahren für Lokal-TV aus Brandenburg und Berlin ein. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Der Medienrat der mabb, dem ich seit 10 Jahren angehöre, setzt sich für Medien- und Meinungsvielfalt ein. Als Journalistin weiß ich, dass guter Lokaljournalismus in einer globalisierten Welt eine der wichtigsten Grundlagen für demokratische Teilhabe der Menschen vor Ort ist. Gleichzeitig müssen die Arbeitsbedingungen der Journalistinnen und Journalisten unabhängigen Qualitätsjournalismus gewährleisten. Das betrifft die technische Ausstattung der Lokal-TV-Stationen ebenso wie die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch eine gute Bezahlung gehört selbstverständlich dazu.

Gemeinsam mit Mitgliedern des Medienrates und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der mabb bereise ich seit 10 Jahren die Lokal–TV-Stationen. Das Bild vor Ort zeigt, dass die bisherige Förderung der mabb (z. B. für Zuführung, Satellitenverbreitung, HbbTV, Lokal-TV-Portal, technische und journalistische Fortbildungen) zwar sehr hilfreich ist, aber nicht ausreicht, um eine Refinanzierung des lokalen Programms zu sichern. Daher mussten wir nach neuen Wegen suchen, um die vielfach nicht einfache wirtschaftliche Lage der Sender zu verbessern. Da uns der bisherige Medienstaatsvertrag enge Grenzen gesetzt hat, bin ich sehr froh, dass wir mit dem neuen Medienstaatsvertrag nun die Möglichkeit haben, neue Wege der Förderung zu gehen. Der mabb wird ermöglicht, lokaljournalistische Angebote selbst durch Mittel Dritter zu fördern, etwa aus Haushaltsmitteln des Landes. Um Staatsferne zu gewährleisten, wird der Medienrat die Voraussetzungen dieser Förderung in einer Fördersatzung festhalten. Das alles ist ein sehr anspruchsvoller Prozess, zumal unsere Medienanstalt in Deutschland bei einer derartigen Förderung Vorreiterin ist.

Warum ist eine Veranstaltung wie der Lokal-TV-Kongress aus Ihrer Sicht wichtig?

Der Lokal-TV-Kongress hat sich zu einem der wichtigsten Treffen der TV-Macherinnen und -Macher entwickelt. Was als Veranstaltung der ostdeutschen Medienanstalten für die lokale TV-Landschaft begonnen hat, wird zunehmend interessanter für Veranstalter aus anderen Bundesländern. Zum Beispiel haben uns in diesem Jahr Lokal-TV-Kollegen aus Sylt begeistert bestätigt, wie anspruchsvoll unser Programm war. Auf dem Kongress werden Erfahrungen ausgetauscht und Expertinnen und Experten kommen zu Wort. Gerade in diesem Jahr ist es uns gelungen, den vielleicht anspruchsvollsten Kongress der letzten fünf Jahre zu gestalten. Dabei hat mich die optimistische Grundstimmung besonders gefreut. Natürlich lag das auch daran, dass wir als mabb zeigen konnten, dass sich mit der Änderung des Medienstaatsvertrages unsere Möglichkeiten der Förderung erweitern und dass die Politik die Bedeutung des Lokaljournalismus aktiv unterstreicht.

Die Teilnehmer und die veranstaltenden Landesmedienanstalten des LTVK 2019 sprachen sich in der Potsdamer Erklärung zudem deutlich für den Vorschlag mehrerer Bundesländer für eine Erweiterung der Förderungsmöglichkeiten für kommerzielle lokale Medienanbieter (§40 Rundfunkstaatsvertrag) aus. Denn lokale Vielfalt ist ein Grundpfeiler für öffentlichen Diskurs in einer Demokratie. Gleichzeitig erfordert die Erweiterung zwingend, dass die dafür notwendigen Mittel bereitgestellt werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Lokal-TV?

In Zukunft wird die Vernetzung der lokaljournalistischen Medien eine immer größere Rolle spielen. Ich wünsche mir, dass Lokal-TV weiterhin anspruchsvolles Programm und interessante Formate produzieren kann. Wir, als Medienrat, unterstützen dabei, wo immer es geht. Die Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort sollen ihre Lokal-TV-Sender auch weiter als authentische und unabhängige Informationsquelle über ihr unmittelbares Umfeld schätzen. Für ein gutes Miteinander ist es wichtig, dass die Menschen erfahren, was in der unmittelbaren Umgebung geschieht. Um am gesellschaftlichen Diskurs teilhaben zu können, müssen sie wissen, was die Politik vor Ort konkret leistet. Wir haben in Brandenburg und Berlin einen unglaublichen Reichtum an Nachbarschaftsinitiativen, Sport und Kultur. Darüber müssen wir in der Gesellschaft viel mehr reden. In einer komplexen Welt steigt die Bedeutung von gutem Lokaljournalismus. Demokratie funktioniert nur, wenn alle mitmachen.

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