Lokaljournalismus zukunftsfähig machen: Kongress zeigt innovative Wege und politische Handlungsoptionen
Berlin, 6. Oktober 2026. Was braucht lokaler Journalismus, um auch morgen noch seine demokratische Funktion erfüllen zu können? Darüber diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Medienpraxis, Wissenschaft und Medienaufsicht auf Einladung von sechs Landesmedienanstalten beim Lokaljournalismus-Kongress in Berlin.
Sinkende Reichweiten, wegbrechende Werbeerlöse und die Konkurrenz globaler Plattformen setzen lokale und regionale Medien zunehmend unter Druck. Umso mehr stellt sich die Frage, welche Ideen, Innovationen und Rahmenbedingungen den Lokaljournalismus zukunftsfähig machen können.
In ihrer Eröffnungsrede betonte Eva-Maria Sommer, Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), seine besonderen Stärken: „Oft sprechen wir über die Probleme des Lokaljournalismus. Aber er verfügt auch über regelrechte Superkräfte, die keine Plattform und keine KI ersetzen kann: Nähe zu den Menschen, Vertrauen, lokale Verwurzelung und die Fähigkeit, Orientierung zu geben und Gemeinschaft zu stiften. Unser Kongress will sichtbar machen, mit wie viel Kreativität und Innovationskraft Redaktionen diese Stärken weiterentwickeln und neue Wege gehen.“ Entsprechend vielfältig waren die vorgestellten Praxisbeispiele. Von einem bundesweit einzigartigen Portal für lokalen Kulturjournalismus bis hin zu interaktiven Games und communitybasierten Newslettern.
„Mich hat besonders beeindruckt, mit wie viel Engagement und tollen Ideen lokale Geschichten neu erzählt werden. Diese Vielfalt macht Mut", so Dr. Eva Flecken, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb). „Zugleich dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, unter welchem wirtschaftlichen Druck viele Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten tagtäglich arbeiten. Und wie sehr sie darum kämpfen, verlässlich für die Menschen vor Ort zu berichten. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt unserer Demokratie. Genau deshalb ist es in diesen Zeiten so wichtig, solche Projekte zu fördern und eine Perspektive zu geben.“
Welche strukturelle Unterstützung lokale und regionale Medien bei der digitalen Transformation benötigen, zeigt eine von der MA HSH beauftragte Studie, die von Dr. Christian-Mathias Wellbrock auf dem Kongress vorgestellt wurde. Als zentrale Handlungsfelder benennt sie Vernetzung, Qualifizierung, Innovationsförderung, Nachwuchssicherung, gemeinsam nutzbare Ressourcen und kooperative Medienplattformen. Aber: Damit aus guten Ideen dauerhaft tragfähige Angebote werden können, muss die Politik verlässliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Stabilisierung lokaler Medienvielfalt schaffen.
Dirk Schrödter, Minister für Digitalisierung und Medienpolitik in Schleswig-Holstein, sprach sich für eine strukturelle Unterstützung lokaler Medien aus, betonte aber auch, dass die Umsetzung staatsfern erfolgen müsse: „Regionale Berichterstattung ist für die Medienvielfalt und damit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung von essenzieller Bedeutung. Wenn Meinungsbildung und Meinungsvielfalt auf der Strecke bleiben, nimmt die Demokratie daran Schaden.“ Als mögliche politische Antwort verwies Schrödter auf ein in Schleswig-Holstein entwickeltes Diskussionspapier, das grundlegende Unterstützungsmaßnahmen vorsieht.
Impressionen der Veranstaltung und die vollständige Aufzeichnung von ALEX Berlin finden Sie hier.
Über den Lokaljournalismus-Kongress
Der seit 2023 jährlich stattfindende Lokaljournalismus-Kongress dient dem länderübergreifenden Austausch über die Zukunft lokaler und regionaler Medien. Veranstaltet wurde er in diesem Jahr von den Landesmedienanstalten aus Berlin/Brandenburg, Hamburg/Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Lokaljournalismus-Kongress ist eine Weiterentwicklung des Lokal-TV-Kongresses, der von 2015 bis 2022 ausgerichtet wurde. www.lokaljournalismus-kongress.de
Foto: Sebastian Semmer