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Licht und Schatten: Demokratische Öffentlichkeit und digitale Medien

Berlin, 30. Juni 2017. Im Rahmen des 6. Sommerforums Medienkompetenz der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) haben Thomas Krüger (Bundeszentrale für politischen Bildung), Dr. Roberto Simanowski (City University Hong Kong) und Prof. Dr. Christian Stöcker (HAW Hamburg) über die Sicherung von Demokratie und Meinungsvielfalt in der digitalen Mediengesellschaft diskutiert: Nehmen Intermediäre wie Google und Facebook Einfluss auf die Meinungsbildung und wenn ja, wie? Welche Rolle nehmen Journalistinnen und Journalisten in einer digitalen Mediengesellschaft ein? Wer sind die neuen Gatekeeper? Wie kann in diesem Zusammenhang regulierend eingegriffen werden und welche Institutionen können diese Aufsicht übernehmen? Welche Verantwortung können Nutzerinnen und Nutzer übernehmen? Wie sieht moderne Medienkompetenz aus? Kann eine Kultur des digitalen Umgangs gegen Fake News und Hetze im Internet helfen und Meinungsvielfalt erhalten?

bpb-Präsident Thomas Krüger spricht den Nutzerinnen und Nutzern bei Fragen der Regulierung eine wichtige Rolle zu: Der Widerspruch müsse aus der Zivilgesellschaft kommen. Dafür, so Krüger, sei Bildung und das Ausbilden von Medienkompetenz eine Notwendigkeit. Bildung müsse Zugang zu Pluralität und Widerspruch schaffen. Medienkompetenz sei auch politische Kompetenz.

Roberto Simanowski, Professor für Digital Media Studies und Digital Humanities, sieht das kritischer. Er glaubt, dass Selbstregulierung von unten im Netz nicht funktioniert: Ohne Gatekeeper, so Simanowski, können wir keine Streitkultur, keinen Diskurs im Netz schaffen. Und auch Intermediäre würden nicht die Verantwortung übernehmen, die klassische Medien und Journalisten noch übernommen hätten. Unternehmen wie Facebook sähen sich als Technikunternehmen. Und es sei doch absurd, wenn wir Regulierung und Kommunikationsregeln von Technikern erwarten würden.

Christian Stöcker, Leiter des Studiengangs Digitale Kommunikation an der HAW und langjähriger Journalist bei SPIEGEL ONLINE, rät zu Gelassenheit und weist darauf hin, dass wir uns in Deutschland – anders als etwa in den USA – „auf einem relativ breiten demokratischen Grundkonsens bewegen“. Verhältniswahl- und Mehrparteiensystem würden uns vor einer zu starken Polarisierung und Emotionalisierung von politischer Meinungsbildung schützen. Dennoch, so Stöcker, müssen wir uns die Frage stellen, in was für einer Gesellschaft wir leben möchten.

ALEX Berlin hat die Diskussionsrunde live gesendet. Der Beitrag steht auf dem YouTube-Kanal von ALEX zum Abruf bereit.

Zum Hintergrund: Unbegrenzte Möglichkeiten – grenzenlose Möglichkeiten

Das Internet bietet uns nahezu unbegrenzte Informations- und Interaktionsmöglichkeiten. Unabhängig von Zeit und Ort können wir Daten abfragen, Informationen erhalten, Meinungen austauschen oder mit anderen kommunizieren. Dabei wird das Netz auch von Menschen genutzt, die die Grenzen der Meinungsfreiheit zumindest strapazieren: Sie verbreiten Nachrichten gespickt mit Hetze und Verleumdungen, reduzieren Komplexes auf einfache Formeln, streuen Gerüchte und beschimpfen Haltungen, die ihren eigenen Meinungen entgegenstehen. Die Hoffnung, das Internet sei der Start für eine Demokratisierung der Medien durch die Beteiligung aller, hat einen Dämpfer bekommen. Neben dem Problem bewusst gestreuter Falschmeldungen entscheiden immer häufiger Algorithmen auf intransparente Weise, welche Informationen zu den Menschen gelangen und welche nicht. „Das Sommerforum Medienkompetenz ist ein weiterer Ort, um den Diskurs zu diesen Themen zu führen“, so mabb-Direktorin Anja Zimmer. „Uns ist wichtig, Akteure der medienpädagogischen Praxis dafür zu sensibilisieren.“

Der medius 2017 geht an…

Auch in diesem Jahr wurde der medius auf dem Sommerforum Medienkompetenz verliehen. Mit dem Preis für innovative, wissenschaftliche und praxisorientierte Abschlussarbeiten im Medienbildungsbereich wurden in diesem Jahr vier Arbeiten gleichberechtigt ausgezeichnet, das Preisgeld entsprechend aufgeteilt:

  • Jessika Weigt (Hochschule Fulda): Soziokulturelle Ungleichheiten und mediale Kompetenzen
  • Rebecca Ebel (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen): Mediatisierte Jugend?! Impulse für eine lebensweltorientierte Offene Jugendarbeit
  • Birgit-Andrea Möller (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg): Strukturale Medienbildung in der Ausstellung. Mediale Welten zum Thema „Flüchtlinge“
  • Sophia Horsch (Hochschule München): Gefahr für Menschenrechte und Demokratie – Hate Speech online als neue Herausforderung für die Soziale Arbeit


Weitere Informationen über die Preisträgerinnen und die ausgezeichneten Abschlussarbeiten.

ALEX Berlin – Ein Ort der mabb für Netzwerk und Austausch in Berlin-Friedrichshain

Das Sommerforum Medienkompetenz und die Verleihung des medius wurden in diesem Jahr in der neuen Location von ALEX Berlin veranstaltet. ALEX ist eine Einrichtung der mabb und bietet als Kreativ- und Partizipationsplattform ungewöhnliches Programm für eine außergewöhnliche Region im TV, Radio und Internet an. Menschen können bei ALEX Medien erleben und sie selbst crossmedial gestalten. Darüber hinaus begleitet ALEX regionale Veranstaltungen von gesellschaftspolitischer Relevanz mit Produktionsteams, die aus Studierenden und Auszubildenden aus dem Medienbereich bestehen.

Über das Sommerforum Medienkompetenz und den medius

Seit 2012 veranstalten die mabb und die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) einmal im Jahr das Sommerforum Medienkompetenz. Ziel ist es, Wissenschaft und Praxis miteinander zu vernetzen und aktuelle Themen aus dem Medienbildungsbereich zu diskutieren. Im Rahmen des Sommerforums findet zudem die Preisverleihung des medius statt. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und dem Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) vergeben mabb und FSF den mit 2.500 Euro dotierten Preis für innovative, wissenschaftliche und praxisorientierte Abschlussarbeiten, die sich mit aktuellen Aspekten aus dem Medienbereich, der (Medien-)Pädagogik oder Themen des Jugendmedienschutzes beschäftigen.

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